Geschichte der Zinnstiftranzen

Der Zeitpunkt des Beginns dieser Verzierungsart verliert sich im Dunklen. Urkundlich wurde ein Zinnstiftranzen erstmals um das Jahr 1680 erwähnt. Durch diesen Ranzen erhofften sich seine Träger magische Kräfte, da das Zinn in der Alchemie dem Planeten Jupiter zugeordnet wurde. Der Jupiter steht für Freundschaft, Geld und Erfolg im weltlichen Leben.

Warum die Zinnn&auäml;gel als Verzierung verwendet wurden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass auf dieses preiswerte Material zurückgegriffen wurde, da die Transportkisten aus der Neuen Welt mit Zinneinsätze ausgestattet waren.

Um 1800 wurde die Verzierung der Ranzen mit Zinnstiften durch Federkielstickereien ersetzt. Ob die Ursache dafür das Ausbleiben der Transportkisten oder der hohe Metallbedarf der napoleonischen Kriege war, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden. Die Gurten sind mit winzigen Zinnstiften geziert, die Bänder und Ornamente bilden. Durch den Silberton des Zinnes ergibt sich ein schöner Kontrast zum braunen oder schwarzen Leder der Gurte. Die Muster gleichen sich im ganzen Herstellungsgebiet: Steiermark, Oberösterreich, Salzburg, Oberbayern und Tirol. Die älteren Gürteltypen dieser Art in Südtirol sind fast so breit wie die Gürtel mit Messingnägeln (ca. 18 cm).

Sie haben jedoch nicht vier, sondern nur zwei ovale Barockschließen, die an der unteren Rückenpartie getragen werden. Durch ihr Gewicht bekamen sie in vielen Gegenden den Beinahmen Bleigurten.

In der von Christoph Weigel 1698 erschienenen Handwerksbeschreibung ist im Kapitel "Der Gürtler" erwähnt, dass lederne Gürtel mit gelben oder versilberten Messing oder auch mit Zinn verziert werden. Die Herstellung dieser Gurten erforderte großes handwerkliches Können. Daher kann angenommen werden, dass die Gurten von zünftigen Handwerkern angefertigt wurden. Diese Männergürtel wurden vor allem im Pustertal und seinen Nebentälern getragen, die bis zum Jahre 1500 zur Grafschaft Görz gehörten.

Geschichte der Messingranzen

Messing ist eine Legierung aus Kupfer und Zink. Das Kupfererz kam aus dem Ahrntal im heutigen Südtirol und das Zinn-Erz aus Auronzo. Die Erze wurden in der Lienzer Messinghütte zum sogenannte Sattelmessing für die Gurtenverzierung weiterverarbeitet.

Durch den Stadtbrand von 1798, dem auch das Messingwerk zum Opfer fiel und den napoleonischen Kriegen kam die Messingproduktion völlig zum Erliegen und somit fehlte der einheimische Nachschub an Messing.

Dies war das Ende der Gürtel mit Ziernägeln aus Messing. Die so kunstvoll verarbeiteten Ranzen waren nur für die wohlhabende bäuerliche Bevölkerung erschwinglich. Das älteste, im Tiroler Volkskunstmuseum Innsbruck, erhaltene Exemplar geht auf das Jahr 1732 zurück. Die Südtiroler Stücke, die sich im Volkskundemuseum Dietenheim befinden sind jüngerem Datums ( 1794 ).

Die beliebtesten Motive sind aufsteigende Löwen, Steinböcke, Hirsche, Gämsen, sowie Lebensbäume und Blumen. Die Gämse und Steinböcke symbolisieren die Gebirgsjagd. Die Verwendung des aufsteigenden Löwen lässt sich vermutlich mit dem Görzer Wappentier in Verbindung bringen. Ferner gilt der Löwe als Sinnbild für Macht und Stärke.

Weiters war es üblich die Gürtel mit christlichen Namen und heidnischen Tiersymbolen zu verzieren. Merkwürdig ist die Verwendung der Buchstabenfolge LIE-BE-NI, deren Bedeutung bis heute noch nicht geklärt ist. Viele dieser Messinggurte, besitzen drei bis vier Schließen, die nicht wie üblich vorne, sondern seitlich an der HüÖfte getragen werden.